Taekwondo: Im Gespräch mit dem OTC Cheftrainer, Welt- und zweimaliger Europameister, Aziz Acharki

Mit einer Glanzvorstellung bei den European Kids Championships, gewann der zehnjährige Danil Lavrov absolut verdient die Goldmedaille (-39) und tritt damit in die Fußstapfen seines Mentors, dem OTC Cheftrainer und selbst Welt- und zweimaliger Europameister, Aziz Acharki.

Herzlichen Glückwunsch! Du scheinst den Erfolg magisch anzuziehen. Wie hast Du den Erfolg für Dich wahrgenommen? Ist es für Dich jedes Mal dasselbe Gefühl?
AA: Bei Daniel war es schon irgendwie ein besonderes Gefühl. Er ist mit zehn mein jüngster Champion, und auch sein Diabetes verbindet uns auf eine besondere Art. Er hat mich beindruckt, wie bescheiden aber doch fleißig und motiviert er für sein Ziel gearbeitet hat. Aber auch mit den anderen verbinden mich die gemeinsam gewonnen Titel.

Du hast selbst gesagt, Danil war vor der Euro schon in guter Form. Mit welcher Erwartung bist Du selbst nach Sindelfingen gereist?
AA: Danil vor allem beim Training viel Ehrgeiz. Obwohl er ein ganz bescheidener Junge ist, merkte ich schnell, dass er ein Ziel vor Augen hat. Auch beim Wettkampf war die Stimmung im gesamten Team sehr gut. Alle haben toll mitgezogen. Irgendwann habe ich in Sindelfingen dann gemerkt, das hier heute was Großes passieren kann.

Wie geht es weiter mit Danil? Siehst Du noch andere Talente die evtl. auch endlich mal Deine gewonnenen Titel wieder nach Deutschland holen können? Ein Sieg bei Olympia fehlt der DTU auch noch.
AA: Wir haben beim OTC eine große Talent-Gruppe. Danil gehört dazu, wenn er gesund bleibt wird man noch viel von ihm hören. Für große Titel muss immer alles stimmen, die Balance Schule/Eltern/Privatleben/Sport ist unheimlich wichtig. Leider ist der Schuldruck auch nicht zu unterschätzen. Wir achten bei unserem jungen Sportler sehr darauf. Wir möchten sie aufbauen, dass sie auch als Senioren erfolgreich sein können. Das ist gar nicht so einfach. Wir müssen aufpassen das wir sie schon in der Jugend verheizen.
Olympia ist eine andere Geschichte. Da muss am Ende alles passen. Wichtig ist, dass wir unsere Talente richtig fördern. Die Zentren müssen dafür besser zusammenarbeiten, hier gibt es noch viel Nachholbedarf.

Bei jedem Turnier kann man es beobachten. Trainer die während der Kämpfe ihrer Sportler am liebsten fernsteuern möchten. Wie aktiv coacht Du? Worauf achtest Du besonders während der Kämpfe?
AA: Bei mir fängt das Coachen schon beim Aufwärmen an. Ich beobachte das bei jedem Sportler immer ganz genau das sie frühzeitig und vernünftig warm gemacht werden. Auch achte ich das die Sportler vor dem Kampf etwas Stress abbauen. Als Trainer muss ich individuell auf meine Sportler eingehen. Manche möchten reden, andere lieber nicht, die konzentrieren sich schon auf dem Kampf. Für mich war es auch immer wichtig, dass ich meine Sportler kenne, die ich betreue. Ich versuche die Sportler nicht zu steuern, die lernen im Training wie sie sich instinktiv im Kampf zu verhalten haben. Viel eher versuche taktisch Einfluss zu nehmen. Auf jeden Fall versuche ich Stress zu vermeiden.

Deine Schüler sagen alle einstimmig, es ist eine große Ehre von Dir trainiert zu werden. Glaubst Du, es gibt Sportler, für die das evtl. auch ein besonderer druck sein könnte, von einem Weltmeister und lebende Legende, trainiert zu werden?
AA: Für meinen Sohn ist das bestimmt so. Bei ihm sind die Erwartungen von außen automatisch viel höher. Bei meinen anderen Sportlern habe ich eher das Gefühl, es gibt ihnen Selbstvertrauen. Ich weiß gar nicht ob das überhaupt ein Gedanke bei meinen Sportlern ist. Im Mittelpunkt steht bei mir immer der Sportler im Vordergrund. Ich unterstütze alle meine Sportler aber immer bedingungslos.

Zum Schluss noch eine persönliche Frage. Die Taekwondo-Szene liebte Dich als Sportler und als Coach genießt Du großen Respekt. Am liebsten würde man Dich lieber heute als Morgen wieder in einer offiziellen Funktion sehen? Wird es einen Aziz Acharki noch mal bei der DTU geben.
AA: Ich bin aktuell für das dänische Nationalteam zuständig. Die Arbeit erfüllt mich und macht mir Spass. Für Deutschland zu arbeiten war für mich immer was Besonderes. Unter den aktuellen Bedingungen wird es aber kein Comeback von mir bei der DTU geben. Taekwondo-Aktuell 02/2020

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