Taekwondo: Jin-Kun Baek – Bergmann und Taekwondolehrer, ein Kumpel verlässt die Bühne / Abschied mit Tränen

Im Dezember ist es so weit, Jin-Kun Baek, verlässt nach 48 Jahren Deutschland und geht zurück nach Korea. Keine Frage, Deutschland verliert damit ein großes Stück Taekwondo-Geschichte. Wir möchten den Großmeister aber nicht ohne Hommage fahren lassen. Bei unserem Besuch wird uns aber schnell klar, dieser Schritt ist für Baek kein leichter. Er folgt seinem Herzen. Es ist seine Frau, die gerne wieder zurück in die Heimat möchte. Selbstverständlich erfüllt der 72-jährige ihr den Wunsch. Gemeinsam wird man in Inchun (nähe Seoul) in Südkorea ab Dezember den verdienten Lebensabend verbringen. „Es war eine schnelle Entscheidung, die ich getroffen habe, ich mache es gerne!“ kommentiert Baek die große Entscheidung.

Seine Aura ist unglaublich, seine lachenden Augen schauen mich an, sein Lächeln wirkt dabei jugendlich. Seine Ausführungen lassen aber erahnen, Baek hat viel erlebt!

Als wäre es erst gestern gewesen, erinnert er sich noch daran wie er im Februar 1971 nach Deutschland gekommen ist. 23 war er da, hatte sein Abitur gemacht und gerade seinen Wehrdienst bei der Luftwaffe in Südkorea geleistet. Baek ist zu bescheiden, aber mit seinem Schulabschluss gehörte er zur intellektuellen Elite seines Landes. Trotzdem gab es für ihn kaum berufliche Perspektiven. „Studenten, Professoren – alle wollten auswandern“, erinnert sich Baek. In Südkorea herrschte ein autoritäres Regime. Für ihn war es ein Glücksfall, dass die deutschen Zechen zu dieser Zeit immer wieder für den Bergbau Malocher, für die Arbeit unter Tage, suchten. Tausende Koreaner sind diesem Ruf gefolgt, einer von ihnen war Jin-Kun Baek. Es war für ihn, einer der wenigen Chancen, sein Schicksal selbst in die Hand zu nehmen und „abzuhauen“. Baek wurde Bergmann in Bottrop. Noch heute lebt die koreanische Community in der Ruhregion.

Taekwondo verbindet

Seit dem vierzehnten Lebensjahr lebt Baek den Taekwondo-Sport. Daran konnte auch seine große Reise nichts ändern. Ganz im Gegenteil, Sport verbündet. Mit großen Augen erzählt Baek davon, wie schnell er einige „Kumpel“ vom Koreanischen Kampfsport überzeugen konnte. „Wir trafen uns bei Kollegen in dunklen Kellerräumen um zu trainieren, aber alle waren auf Anhieb begeistert von Taekwondo“. So wurde ein Verein und später eine Sportschule aus den Aktivitäten. Der Sport gab ihm nicht nur Kraft, sondern war auch hilfreich dabei um sich schnell in eine neue Gesellschaft zu integrieren. Schnell konnte sich Baek in der Zeche als fleißiger Kumpel etablieren, aber auch im deutschen Taekwondo sollte Baek schnell zu einer festen Größe wachsen. Egal ob als Kampfrichter bei den Weltmeisterschaften in Korea, Russland und Frankreich oder als Referent für die TUNRW, seine Erfahrung findet noch heute größte Wertschätzung. Der Name Baek hat längst seinen festen Platz im Deutschen Taekwondo. Der Abschied deswegen umso bewegender.

38. BAEK‘s International offene TAEKWONDO Meisterschaft um den Pokal des Oberbürgermeisters – 15.09.2019

Bei seinem Turnier, der mittlerweile 38. Ausgabe vom BAEK‘s International offene TAEKWONDO Meisterschaft um den Pokal des Oberbürgermeisters, nutzen viele seiner Freunde und Wegbeleiter den Rahmen, um Abschied zu nehmen. Viele Schüler, Bekannte und Freunde waren gekommen, um sich zu verabschieden. Für Baek ein sehr emotionaler Moment, den er nie vergessen wird. „Die Tränen konnte ich nicht zurückhalten, ich war sehr traurig. Es waren so viele Menschen, mit denen ich soviel verbinde. Ich habe mich sehr gefreut, dass so viele in Bocholt waren, um mich zu verabschieden.“
Stehende Ovationen gab es für Baek und auch bei den Zuschauern konnte man feuchte Augen sehen. Die Dieter-Renz-Halle platzte an diesem Tag aus allen Nähten, unter den zahlreichen Zuschauer mischten sich nicht nur der Bürgermeister und einige koreanischen Ehrengäste. Auch aus seiner großen Taekwondo-Familie waren einige extra zum Turnier angereist. Ein sehr bewegender Moment auch für seinen Sohn Markus Baek, dieser wird ab 2020 das traditionsreiche Turnier ins 39. Jahr führen. Das erste Turnier nach 38 Jahren ohne seinen Vater und Namensgeber Jin-Kun Baek.

„Ich gehe mit Stolz zurück nach Korea. Natürlich verlasse ich das Land mit einem weinenden Auge. Ich habe hier fast fünfzig Jahre gelebt und lasse einen Teil meiner Familie zurück. Aber das Deutschland, das ich jetzt verlasse, ist nicht mehr dasselbe wie damals im Februar 1971. Damals war die Zuwanderung doch irgendwie strukturierter. Deswegen gehe ich am Ende auch gerne nach Korea zurück. Ich bin gespannt was mich erwartet und ich bin ja nicht aus der Welt.“

Wieder ist es Baek anzumerken, es ist ein sentimentaler Moment für ihn. Mit einem Blick durch sein Wohnzimmer wird einem sofort klar: der Abschied ist nahe. Nicht nur gepackte Kartons weisen darauf hin. Im Dezember ist es dann endgültig soweit. Wir haben vor dieser Entscheidung größten Respekt. Als Baek damals Südkorea verlassen hat, war dieses augenscheinlich am Ende. 36 Jahre lang hatten die Japaner die Halbinsel besetzt. Dann gab der Koreakrieg noch den Rest. Es wird sich in den knapp fünfzig Jahren Einiges verändert haben. Wir wünschen Jin-Kun Baek vom ganzen Herzen alles Gute! Er wird fehlen und eine große Lücke hinterlassen. Taekwondo ist sein Leben. Ohne ihn wäre der Sport in Deutschland nicht da, wo er jetzt steht. Es wundert also nicht, dass Baek seinen letzten Gruß an alle Funktionäre richtet: „Setzt euch wieder an einen Tisch. Redet miteinander. Findet im Sinne der Sportler eine Lösung für die Probleme und stellt den Sport wieder in den Mittelpunkt.“ – wir möchten an dieser Stelle nichts hinzufügen. Kein Mensch ist so wichtig, dass er über eine ganze Bewegung steht!

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